Autor-Archive: Thomas Jung

Drei Chöre in zwei Konzerten

Von Marc Gornetzki und Thomas Jung

Nach langer, coronabedingter Pause erklingen wieder Chorkonzerte in unseren Kirchen. Nach der “Mass of Peace” von Karl Jenkins, die am Ewigkeitssonntag dieses Jahres aufgeführt wurde, sind wir glücklich, auch ein adventlich-weihnachtlich gefärbtes Chorkonzert anbieten zu können.

So laden wir Sie und Euch sehr herzlich für den Samstag vor dem 3. Advent (10. Dezember 2022) um 18:00 h. in die Kreuzkirche ein.

Im Zentrum des Programms stehen

  • das Weihnachtsoratorium (Oratorio de Noél), op 12, von Camille Saint-Saëns (1835-1921), sowie
  • die Messe aus a-moll, op. 197, von Josef Rheinberger (1839-1901)
Rheinberger in seinen späten Jahren. Bildquelle: Deutsche Wikipedia

Die a-Moll-Messe für gemischten Chor mit Orgelbegleitung des Lichtensteiners Josef Rheinberger ist das letzte musikalische Werk aus der Feder des Komponisten. Als Rheinberger im November 1901 starb, lag die Partitur bis in den Schluss des Credo hinein vor. Einer seiner Schüler, der amerikanische Komponist Louis Adolphe Coerne (1870-1922), hatte diese Messe im Sinne seines Kompositionslehrers ergänzt und vollendet – in dieser Fassung wird das Stück im Konzert erklingen.

Rheinberger orientierte sich beim Schreiben an den Bedürfnissen der katholischen Liturgie. In ihren Ausdehnungen sind die Sätze der Messe knapp gehalten. Lied- und Rondoformen dominieren, und Rheinberger nutzt sein satztechnisches Handwerkszeug, um seine Chorlinien in kunstvoller Schlichtheit und mit großer Textverständlichkeit zu führen. Aus unserer Sicht ist es schwer verständlich, dass die Cecilianer, die im 19. Jahrhunderts die (katholische) Kirchenmusik reformieren wollten, Rheinbergers Werke in Bausch und Bogen verworfen hatten: Der Lichtensteiner schriebe nicht kirchlich genug, so ihr heute kaum mehr nachvollziehbarer Vorwurf.

Der junge Camille Saint-Saëns, gegen 1858. Bildquelle: Französische Wikipedia

Das in lateinischer Sprache verfasste Oratorio de Noél ist ein Frühwerk des damals gerade 23-jährigen Komponisten Camille Saint-Saëns. Er schrieb das Werk als Kantor der Pariser Kirchengemeinde La Madeleine und brachte es 1858 dort zur Uraufführung. Im Gegensatz zum Bachschen Weihnachtsoratorium erzählt Saint-Saëns lediglich die Verkündigungsszene der Engel bei Hirten auf dem Feld. Die übrigen Sätze reflektieren das weihnachtliche Geschehen mit Versen des Alten und Neuen Testamentes. In unserem Konzert erklingt eine Bearbeitung mit Orgelbegleitung.

Drei evangelische Kantoreien haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam das interessante und abwechslungsreiche Programm zu erarbeiten:

  • Brühl (unter der Leitung von Kantorin Marion Köhler)
  • Wesseling (unter der Leitung von Kantor Thomas Jung)
  • Erftstadt-Lechenich (unter der Leitung von Kantor Marc Gornetzki)

Unterstützt werden die Chöre von einem Gesangsquintett bestehend aus Eva Bauchmüller (Sopran), Alicia Grünwald (Mezzosopran), Ziqi Huang (Alt), Andrew Penning (Tenor) und Michael Terada (Bariton).

Ergänzt wird das Programm von der Toccata aus der Orgelsonate in C-Dur, op. 165, ebenfalls aus der Feder Josef Rheinbergers.

Dieses Konzert ist auch am Sonntag, den 11. Dezember 2022 um 18.00h in der Kirche der Versöhnung (An der Vogelrute 8, Erftstadt-Lechenich) zu hören. Nähere Informationen gibt es auch auf der Homepage der dortigen Gemeinde.

Der Eintritt zu diesen Konzerten ist frei, am Ausgang ist eine Unterstützung zur Deckung der Kosten dieses Abends willkommen.

Beitragsbild: Collage, Thomas Jung

In memoriam der Verstorbenen des Jahres: Chorkonzert am Ewigkeitssonntag

November. Monat des Gedenkens. Monat der Totenfeste: Allerseelen in der katholischen, Ewigkeitssonntag in der evangelischen Tradition.

Nachdem die Pandemie die Gedenkkonzerte in den letzten Jahren reduziert oder, in einem Fall, unmöglich gemacht hatte, findet in diesem Jahr wieder ein Konzert statt. Die beiden Chöre unserer Gemeinde, Cantisto und die Kantorei, singen gemeinsam die “Mass of Peace” des britischen Komponisten Karl Jenkins. Eingerahmt wird das Chorwerk vom ersten Satz der “Tonus-Peregrinus”-Sonate Josef Rheinbergers für Orgel, sowie der grandiosen Klaviertranskription der Ciacona aus Bachs d-moll-Partita, BWV 1004, durch den italienischen Komponisten, Esseyisten und Musikpädagogen Ferruccio Busoni.

Anmerkungen zum Programm

Die “Mass of Peace”, die Friedensmesse, ist in der originalen Fassung eine Collage, die über die einzelnen Religionen hinausgeht. Jenkins geht dabei von einem hochmittelalterlichen Soldatenlied aus, dem “L’homme arme”, dem “Mann in Waffen” – ein Lied, das im 15. und 16. Jahrhundert in dutzenden Messen verarbeitet worden ist. Die bekannteste ich vielleicht die Version von Josquin Deprez aus dem späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert.

Jenkins lässt, das Soldatenlied hinter sich lassend, in seiner Friedensmesse Gloria und Credo weg, zugunsten muslimischer Gebetsrufe an Allah – sein Friedensansatz über die Religionen hinweg zu einer humanistisch geprägten Aussage, die von Motiven aller Religionen geprägt wird. Wir singen in unserem Konzert die traditionell gehaltenen Chorpartien des Werkes als Missa brevis, also ohne Gloria und Credo, dafür mit einem schließenden Hymnus.

Die vierte Orgelsonate in a-moll verwendete den sogenannten neunten Psalmton als Basis für das zweite Thema im ersten Satz. Der neunte Psalmton wurde im Laufe der Jahrhunderte zunehmend genutzt, um Texte der Trauer zu transportieren. Die vorkonzilliaren Stundengebete der römischen Kirche stehen im 9. Ton, ebenso die Klagelieder Jeremias. Mozart nutzt ihn in seinem Requiem, und so fügt sich Rheinbergers Musik nahtlos in den Kontext des Ewigkeitssonntag. An der Orgel: Thomas Jung.

Die Ciacona Johann Sebastian Bachs ist in seinen Köthener Jahren entstanden, vermutlich in Reflexion auf den unerwarteten Tod seiner ersten Ehegattin Maria Barbara Bach im Jahre 1720. Bachs Original ist für eine einzelne Violine gesetzt. Hinter BWV 1004 verbirgt sich eine Partita, also eine Folge von Tänzen deutscher Schreibart. Die Ciacona sprengt diese an sich harmlose Suitenform. Sie ist deutlich länger als alle vorhergehenden Sätze zusammen und entfaltet in ihren drei großen Blöcken einen Gedanken- und Ideenreichtum, der die Musiker aller folgenden Generationen immer wieder in Erstaunen gesetzt hat. Brahms beispielsweise hatte mehrfach den “Wundermann” bewundert, der aus einer einzelnen Violine einen Kosmos entwachsen lässt. Neben Brahms hatten verschiedene Musiker die Ciacona für verschiedendste Besetzungen bearbeitet – eben auch Ferruccio Busoni. Der übertrug Bachs Werk im Jahr 1889 auf das Klavier, mit dem Anspruch, ein virtuoses Konzertstück zu erschaffen. Nadja Bulatovic wird das Konzert mit Busonis Ciacona-Transkription an unserem neu restaurierten Bechsteinflügel beenden.

Auf einen Blick

Konzert zum Ewigkeitssonntag

Sonntag, 20.11.2022, 17:00 Uhr

Evangelische Kreuzkirche, Kronenweg 67, 50389 Wesseling.

Eintritt ist frei. Im Korb am Ausgang sammeln wir für die kirchenmusikalische Arbeit in unserer Gemeinde.

Beitragsbild: Ferruccio Busoni, Gemälde von Umberto Boccioni. Quelle: Englische Wikipedia

 

Memento mori: Musik am Ewigkeitssonntag

Auf einen Blick:

Sonntag, 20. November 2022, 17:00 Uhr (Ewigkeitssonntag): Gedächtniskonzert zu Ehren der Verstorbenen des Jahres in der Kreuzkirche.

Ewigkeitssonntag.

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Der Sonntag vor dem anbrechenden Advents- und Weihnachtskreis. Diesmal fällt dieser Tag auf den 20. November. Seit Jahren findet zum Totengedächtnis an diesem Tag in der Kreuzkirche ein Konzert oder ein Hörspiel statt. Das ist in diesem Jahr nicht anders.

Foto: privat

Um 17:00 Uhr laden die beiden Chöre unserer Gemeinde zu einer gemeinsamen Aufführung der „Mass of Peace“, der Friedenmesse, des britischen Komponisten Karl Jenkins ein. Vor dem Chorwerk wird der erste Satz aus der Tonus-Pegrinus-Sonate für Orgel in a-moll von Josef Rheinberger erklingen. Den Abschluss bildet Ferruccio Busonis Klaviertranskription von Johann Sebastian Bachs „Chacona“ aus der dritten Violinpartita, BWV 1004.

Es begrüßen Sie an diesem Nachmittag der Cantisto-Chor, die Kantorei, sowie Nadja Bulatovic am frisch restaurierten Bechsteinflügel und Thomas Jung an der Schuke-Orgel. Der Eintritt ist frei, im Korb am Ausgang sammeln wir für die kirchenmusikalische Arbeit in der Gemeinde.

Zum Plakat geht’s hier entlang…

Ausblick auf den Advent:

Am 10.12. musiziert unsere Kantorei in einem Konzert um 18:00 Uhr gemeinsam mit den Kantoreien Brühl und Erftstadt-Lechenich das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens, sowie die a-moll-Messe von Josef Rheinberger in der Kreuzkirche. Das Konzert wird am 11.12. in der Kirche der Versöhnung/Erftstadt Lechenich wiederholt.

Die monatliche Abendmusik im November

Die monatliche Abendmusik im November steht im Zeichen Josef Rheinbergers (1839-1901). Das Beitragsbild zeigt ihn in seinen späteren Jahren. Lange habe ich’s aufgeschoben, nun kommt sie doch noch: Seine groß angelegte Sonate in C-Dur, op. 165. In der Reihe seiner insgesamt zwanzig Sonaten für die Orgel ist es die vierzehnte.

Rheinberger, op. 165, Beginn des 1. Satzes. Quelle: IMSLP

Das Werk ist dreisätzig: Der Kopfsatz ist in einer komplexen Form zwischen Sonate und Fuge gebaut, den Schluß bildet die einzige Toccata in seinem Orgelsonaten-Oevre. In der Mitte steht eines der Charakterstücke, die im 19. Jahrhundert beliebt waren und für alle denkbaren Besetzungen entstanden sind.

Unsere Novembermusik wird als Dialogkonzert stattfinden: Deniz Yüksel und ich erzählen über den Menschen Rheinberger und seine Musik, über die Ideen hinter den Noten, über die Lebensumstände, in denen er 1890 gearbeitet hat.

Deniz und ich beginnen, wie immer, um 19:00 Uhr in der Kreuzkirche, Kronenweg 67. Eintritt ist, ebenfalls wie gewohnt, frei. Die Sammlung im Korb geht in die kirchenmusikalische Arbeit, konkret in die Finanzierung der noch in diesem Jahr anstehenden Chorprojekte und des Weihnachtskonzertes zwischen den Jahren.

Thomas Jung

Abschluss der Kirchenmusiktage Rhein-Erft

Im Herbst finden in unserer Region alljährlich die Kirchenmusiktage Rhein-Erft statt. In diesem Jahr stehen etwa 30 Konzerte, Mitmachchöre, Vorträge, Führungen im Programm.

Der Abschluss wird diesmal in Form eines bunten Instrumentalkonzertes in der Wesselinger Kreuzkirche stattfinden, am 30. September, ab 19:00 Uhr.

Begrüßt werden Sie, sehr ökumenisch, von zwölf Kantorinnen, Seelsorgebereichsmusikern, Kantorinnen und Kantoren aus dem Kölner Erzbistum und den evangelischen Kirchenkreisen rund um Köln. Das knapp 90-minütige Programm erstreckt sich von Georg Friedrich Händel bis zu Duke Ellington, spannt sich über Kammermusik und Charakterstücke bis zur Konzertliteratur und Orgelsymphonik. Das passende Motto ist denn auch „Orgel und mehr“ – in der Tat werden nicht nur Orgel und der Flügel erklingen.

Und wer anschließend noch zum Plaudern bleiben und einige der Kollegen der Region kennenlernen möchte, ist bei Würstchen und Getränken dazu herzlich eingeladen: Bei trockenem Wetter draußen, sonst im Foyer und großen Gemeindesaal.

Der Eintritt ist frei, der Imbiss danach ebenfalls, ein Körbchen steht am Ausgang.

Thomas Jung

Die Mittwochsmusiken beginnen wieder

Der 7. September ist der Monats-Erste nach der Sommerpause: Damit beinnen auch die Mittwochsmusiken in der Kreuzkirche wieder, wie immer ab 19:00 Uhr, wie immer mit freiem Eintritt, wie immer mit einem gut halbstündigen Programm.

BWV 541/I, Manuskript. Quelle: YouTube

Morgen erklingt die zweite Orgelsonate von Felix Mendelssohn (1809-1847).

Die Sonate wird umrahmt von zwei Werken Johann Sebastian Bachs (1685-1750): Dem Präludium und Fuge in G-Dur, BWV 541, sowie dem selten zu hörenden Präludium und Fuge in A-Dur, BWV 536.

An der Orgel: Thomas Jung, der, wie immer, eine kurze Einführung gibt.

Mittwochsmusik am 1. Juni

Die letzte Mittwochsmusik vor der Sommerpause findet am 1. Juni statt – diesmal mit Gästen: Bei uns sein wird Katja Beisch mit drei Schülerinnen.

Katja Beisch ist Blockflötistin und Oboistin, sowie Spezialistin für Alte Musik. Sie hat mit rennomierten Ensembles und Solist/Innen zusammengearbeitet, sowie für die großen Rundfunkanstalten (WDR, SWR, DLF, HR) aufgenommen. Daneben hat sie einen Lehrauftrag für Blockflöte an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Bislang liegen drei CD-Produktionen von ihr vor.

Parallel wirkt Frau Beisch als Lehrerin für Jugendliche und Erwachsene, und mit drei ihrer Schülerinnen bietet sie am 1. Juni ein Programm mit englischer und deutscher Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

Im einzelnen könnt Ihr/können Sie sich auf folgendes Programm freuen:

  • Anonymus: An Italian Ground für 4 Blockflöten
  • Georg Philipp Telemann: aus der Heldenmusik “Die Tapferkeit”, “Die Anmut” und “Die Freude” für Sopranblockflöte und B. c.
  • Georg Philipp Telemann: Cantabile und Allegro aus der Sonate C-Dur für Altblockflöte und B. c.
  • John Baston: Concerto D-Dur Siciliana-Allegro für Sopranblockflöte und KlavierBegleitung
  • Georg Philip Telemann: Konzert F-Dur Adagio-Allegro-Grave-Allegro für 4 Altblockflöten

Der Eintritt zur Musik ist, wie immer, frei. Die Kollekte am Ausgang geht diesmal an die Ausführenden.

Herzliche Einladung in die Kreuzkirche, Kronenweg 67, für den 1. Juni 2022 um 19:00 Uhr!

 

Mittwochsmusik am 4. Mai

Die nächste Mittwochsmusik gibt’s am

4. Mai 2022, wie immer um 19:00 Uhr in der Kreuzkirche.

Diesmal wird’s eine Stunde mit Klaviermusik: Auf dem Programm stehen zwei Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Ludwig van Beethoven (1770-1827).

Zu Beginn steht Mozarts Sonate in a-moll, KV 310, die er 1778 in Paris geschrieben hat, unter traurigen Umständen. Den Schluss bildet Beethovens Sonate in Fis-Dur, op. 78, ein Werk seiner mittleren Schaffenszeit, und Therese von Brunsvik gewidmet.

Aber die zugehörigen Geschichten gibt’s am Mittwoch dazu.

Eintritt ist, wie immer frei, das Körbchen am Ausgang geht, auch wie immer, in den Kirchenmusiketat der Gemeinde.

Am Klavier: Thomas Jung

Mittwochsmusik am 2. März 2022 – zwei Mal e-moll

Die kommende Mittwochsmusik fällt auf den Aschermittwoch.

Gleichzeitig liegt der 2. März zwischen den Geburtstagen von zwei Großen der Musikgeschichte. Am 23. Februar wurde Georg Friedrich Händel geboren, am 21. März Johann Sebastian Bach, beide im Jahr 1685. Sie wären heute 337 Jahre jung, im Abstand von etwa dreieinhalb Wochen.

Persönlich getroffen haben sich die beiden nie. Händels Lebenslauf hatte ihn zunächst nach Italien, später nach London geführt. Bach blieb ein Leben lang in Mitteldeutschland, vor allem in Weimar, Köthen und Leipzig. Zumindest in unserer Mittwochsmusik treffen sie sich “im Geiste”.

Nun hat Händel zwar Orgelkonzerte geschrieben, 16 davon insgeamt. Die jedoch verlangen eine Ensemblebegleitung. Große solistische Orgelmusik gibt es aus seiner Feder nicht.

Allerdings Klaviermusik: 1720 hatte Händel in London einen Band mit acht Klaviersuiten herausgegeben. Aus dieser Sammlung erklingt die vierte in e-moll. Eine Suite, eigentlich eine Folge (frz.suivre→folgen) von Tanzsätzen, wird für Händel auch zum Medium größerer Konzertmusiken. Die Form behandelt er mit Individualität und Fantasie, jede Suite ist anders, immer wieder neu gebaut. Die vierte beginnt mit einer ausgedehnten Fuge im italienischen Konzertstil. Daran schließen sich eine Allemande, eine Courante, eine Sarabande und eine abschliessende Gigue.

In der zweiten Hälfte ist Johann Sebastian Bach gewidmet. Hier erklingen Präludium und Fuge, BWV 548, ebenfalls in e-moll.

Seit dem späten 19. Jahrhundert gilt BWV 548 als die „Orgelsymphonie“ Bachs. Es ist eine reife Arbeit, aus Bachs Leipziger Zeit. Das Präludium ist ein groß angelegter Konzertsatz mit drei Themen. Die Fuge, mit ihren charakterischen „gespaltenen“ Thema, ist die einzige im Oevre Bachs, bei der der Eingangsteil wörtlich wiederkehrt. Die entstehende A-B-A-Form verleiht dem Stück eine zwingende formale Geschlossenheit.

Der virtuose Concertato-Teil, der die Mittelpartien beherrscht, machen BWV 548 zu einem der spieltechnisch anspruchsvollsten Werke, die Bach für die Orgel geschrieben hat.

Händel und Bach, in der Abendmusik am 2. März 2022 in der Kreuzkirche. Klavier und Orgel: Thomas Jung, wie immer um 19:00 Uhr, wie immer mit freiem Eintritt, wie immer mit dem Ausgangskörbchen zugunsten der Kirchenmusik in der Gemeinde.

Mittwochsmusik am 2. Februar

2. Februar, 19:00 Uhr, in der Kreuzkirche: Die erste Mittwochmusik in diesem Jahr!

Diesmal steht sie im Zeichen eines heute Unbekannten: Gustav Merkel. Geboren 1827, gestorben 1885, Komponist, Organist, Musikpädagoge.

Merkel hatte sein Leben nahezu vollständig in Ostdeutschland verbracht, viele Jahre in Dresden. Dort war er zunächst Organist der Waisenhauskirche, später an der Kreuzkirche, noch später Hoforganist der katholischen Hofkirche.

Kreuzkirche, Dresden (um 1900) Quelle: deutsche Wikipedia

Merkel hat ein umfangreiches Orgelwerk hinterlassen. Seine kleineren Arbeiten liegen bis heute in Sammeleditionen vor. Im Zentrum stehen allerdings neun große Orgelsonaten. Im 19. Jahrhundert waren sie vielgespielte Werke des allgemeinen Repertoires. Heute ist die erste Sonate in d-moll möglichweise am bekanntesten – nicht zuletzt aufgrund der exotischen Besetzung ihrer Erstfassung für zwei Organist/Innen an einem Instrument.

In der Februarmusik soll Merkels zweite Sonate, op. 42, erklingen. Sie steht in g-moll, umfasst vier Sätze. Die formale Struktur der Sonatenform spielt eine untergeordnete Rolle – wenn überhaupt. Der erste Satz bietet einen Rahmensatz (Maestoso), der die zunehmend virtuosere Entfaltung eines aufsteigendes Themas (Piu mosso) umrahmt, durchaus im Sinne der romantischen Konzertvirtuosität, die selbst eine Kadenz einschließt.

Der zweite, langsame Satz ist in dichter Vier- und Fünfstimmigkeit gearbeitet, für zwei Manuale mit  ähnlichen Klangfarben, orchestral fast, ein Ensemble, auf die Orgel übertragen.

Merkel war ausgewiesener Kontrapunktiker. Beide Sätze leben auch von polyphonem Denken, und der letzte Satz führt die Entwicklung zu Ende: Nach einer Introduktion, die, ähnlich wie in Beethovens 9. Symphonie alle Motive der vorherigen Sätze komprimiert andeutet, folgte eine Doppelfuge. Deren erstes Thema könnte in einer strengen Chorfuge der Musica Antiqua stehen. Merkel führt es in fünf Stimmen durch.

Das zweite Thema bildet einen beinahe tänzerischen Kontrast, wirkt wie ein Motor, der den Satz in ein akkordisches Finale und eine polyphone Stretta vorantreibt.

Vielleicht lassen sich, zumindest die beiden ersten Sonaten Merkels verstehen als Versuch einer Synthese der Polyphonie Bachs und der romantisch-virtuosen Konzertliteratur. So entsteht imposante, zupackende Orgelmusik, die mit den riesigen Orgelwerks Regers und den völlig anderen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts in den Schatten gerutscht ist. Heute ist sie weitgehend vergessen. Sehr zu Unrecht.

Mittwochsmusik

2. Februar 2022, 19:00 Uhr, Kreuzkirche, Kronenweg 67, Wesseling

Gustav Merkel (1827-1885): 2. Orgelsonate in g-moll, op. 42

(Maestoso-Piu moto-Maestoso, Adagio, Introduktion und Fuge)

Orgel: Thomas Jung

(Bild: Gustav Merkel, Portraitfotographie. Quelle: deutsche Wikipedia)

Weihnachtsmusiken ohne Chor. Aber!…

Trotz Corona: Die Weihnachtsmusiken finden statt!

24. Dezember:

Am Heiligen Abend wird Andreas Cantow bei uns sein. Zuerst um 17:30 h. in der Kreuzkirche, dann nachts in der Apostelkirche.

Er singt ein verteiltes Programm von Bachliedern, Ausschnitten aus der Weihnachtsoratorium und der h-moll-Messe.

25. Dezember:

Die große Weihnachtsmusik gibt’s am 25.12. im zentralen Gottesdienst in der Kreuzkirche:Es erklingt das Klavierkonzert Nr. 12 in A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist das mittlere Konzert aus der Werkgruppe KV 413 bis 415. Mozart schrieb die drei Konzerte in F-Dur, A-Dur und C-Dur im Herbst des Jahres 1782, alle drei für den Konzertbedarf in Wien.

Das A-Dur-Konzert hat drei Sätze: Allegro – Andante – Rondeau (Allegretto). Nadja Bulatovic wird den Solopart spielen, ich übernehme mit der Orgel das Orchester.

Ylanite Koppens: Collage (Danke für’s kostenfreie Bereitstellen)

28. Dezember:

Auch die Kerzenscheinmusik findet statt, in diesem Jahr am 28.12. um 17:00 h.Es gibt weihnachtliche Solo- und Kammermusik, mit Christine und Lorenz von Foerster und mit mir.

Ihnen und Euch allen ruhige und schöne Weihnachtsfeiertage!

Thomas Jung