Leitlinien Ehrenamt

Leitlinien der Ehrenamtsarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Wesseling

aus unserer Gemeindekonzeption (in Auszügen):

Einheit und Vielfalt – Wir sind eins und wir sind viele.
Wir sind eins.
Wir sind durch Gott miteinander verbunden. Gottes Geist verbindet uns immer wieder neu.
Deshalb nehmen wir Verantwortung füreinander wahr.
Wir sind viele.
Bunt und vielfältig sind die Menschen in unserer Gemeinde.
Wir sind unterschiedlich durch unsere Herkunft, unsere persönlichen Eigenschaften und Talente.
Diese Vielfalt begreifen wir als Geschenk Gottes, das uns reich macht.

Ziele und Kernthemen:
Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich; viele von ihnen übernehmen nicht nur eine, sondern drei, vier und mehr Aufgaben. Eine Herausforderung besteht darin, die vorhandenen Aufgaben auf mehr Schultern zu verteilen, um die Überlastung Einzelner zu vermeiden. Bei allem Engagement braucht es geistliche Atempausen, um neue Kraft zu schöpfen und um weiterhin mit Freude Verantwortung zu übernehmen.

Projektidee
Um unsere Wertschätzung gegenüber der Arbeit von Ehrenamtlichen zu zeigen, sollen regelmäßige Angebote wie zum Beispiel Tagesausflüge oder Kurzfreizeiten gemacht werden, die Zeit zum Austausch, zum Zusammensein und zum gemeinsamen Auftanken bieten.

 

„Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist, Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“ 1.Kor. 12, 4-6

Viele Einrichtungen und Organisationen im sozialen Bereich setzen verstärkt auf ehrenamtliches Engagement. Die meisten unserer gemeindlichen Angebote wären ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen nicht durchführbar.
Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist eine grundsätzlich positive Einstellung der hauptamtlich Mitarbeitenden gegenüber den Ehrenamtlichen.

Unser Ziel ist es, Ehrenamtliche zu befähigen, eigenverantwortlich und wertschätzend die Evangelische Kirchengemeinde Wesseling zu gestalten, zu bereichern, die Vielfältigkeit des Gemeindelebens nach außen sichtbar zu machen und sich und anderen eine Teilhabe an spürbarer Gottesnähe zu ermöglichen.

Definition von „Ehrenamtlichen“

Zu den ehrenamtlich Mitarbeitenden unserer Gemeinde gehört, wer freiwillig und unbezahlt eine Tätigkeit für die Kirchengemeinde übernimmt.

Einsatzbereiche von Ehrenamtlichen in unserer Gemeinde

– Gottesdienstgestaltung (Familiengottesdienste, Konfi-Kirche)
– Presbyterium/ Gremienarbeit
– Förderverein Begegnungszentrum
– Spielgruppe
– Konfirmandenarbeit (Unterricht, Fahrten)
– Jugendarbeit: Offene Tür, Aktionen, Projekte
– Freizeiten
– Frauenhilfe 
– Frauentreff (Mittwoch für mich)
– Kreativgruppe (Nadel & Faden)
– Bibelgesprächskreise
– Kirchencafé
– Seniorenangebote (Nachmittage, Geburtstage, Spieletreff, Gottesdienste, Chor)
– Gemeindefeste
– Ökumenische Aktionen (Weltgebetstag)
– Ökumenische Krankenhaushilfe (Grüne Damen)
– Über die Diakonie Michaelshoven (Kitas, Seniorenwohnheime, Helfende Hände)

Gruppen und Kreise, die nicht ehrenamtlich geleitet werden, deren Mitglieder sich jedoch in die Gemeindearbeit einbringen und sie mitgestalten
– Musikalische Angebote (Kantorei, Cantisto, Cantina Jugendband, Musikschule)
–  Männerkreis (Ehrenamtliche Leitung erwünscht)

– Bewegungsangebote (Qigong, ErlebnisTanz, Koordinationstraining, Taiji)

Ehrenamt braucht Beteiligungsmöglichkeiten

Menschen engagieren sich ehrenamtlich, um sich selbst entfalten zu können, Gemeinschaft zu erleben oder um das Bedürfnis nach Gestaltungsspielraum, Mitbestimmung oder Austauschmöglichkeit zu befriedigen. Ehrenamtlichen wird die Möglichkeit gegeben, sich an der Gestaltung des Gemeindelebens aktiv zu beteiligen. Bei Entscheidungen, die den Aufgabenbereich der Ehrenamtlichen betreffen, sollen sie vorher gehört und im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligt werden.

Bei der Mitarbeit bringen Ehrenamtliche ihre Gaben, oft ihre beruflichen Kompetenzen und persönlichen Erfahrungen ein. Diese persönlichen Kompetenzen gilt es herauszufinden und für die Gemeindearbeit zu nutzen. Hierbei gilt es, die individuellen Grenzen zu achten und vor Überlastung zu schützen.

Beziehungsverhältnis

Das ehrenamtliche Engagement ist meistens eingebunden in ein Beziehungsmuster zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen
Es gibt drei verschiedene Ebenen der Beziehung:
1. kollegial, sachlich, inhaltlich, funktional
2. sozialarbeiterisch, therapeutisch
3. persönlich, freundschaftlich

Hauptamtliche sind gefordert, diese in erster Linie für sich selbst zu analysieren und zu klären sowie gegebenenfalls Grenzen zu ziehen. Sind die Vorstellung der Beziehung unterschiedlich, kann es leicht zu zeitlichen und kommunikativen Grenzüberschreitungen führen. Daher ist es für hauptamtlich Mitarbeitende sehr wichtig, die Art der Beziehung immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls früh genug Grenzen zu ziehen und diese zu kommunizieren, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Ehrenamtliche als „Aushängeschilder“

Ehrenamtliche tragen mit ihren individuellen Persönlichkeiten und im Kontakt mit anderen zum Erscheinungsbild unserer Gemeinde bei. Ihre Haltung, Meinungsbekundung oder Reaktion hat Auswirkungen auf die Wahrnehmung in der kleinen oder großen Öffentlichkeit (von der Stimmung in der Gruppe bis hin zu Statements in der Presse). Ihr Reden über die gemachten Erfahrungen in unserer Gemeinde – positiv wie negativ – hat Auswirkungen auf Dritte.
Im Konfliktfall ist eine Reaktion durch eine hauptamtliche Person notwendig. Im Dienstgespräch der hauptamtlich Mitarbeitenden gilt es zu klären, wer sich für einen Lösungsversuch verantwortlich fühlt.

Umgang mit Konflikten

Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, ist es selbstverständlich, dass auch Konflikte auftreten: Unterschiedliche Ansichten, Meinungen oder Arbeitsstile treffen aufeinander und sorgen für Auseinandersetzungen. Selbstverständlich kann es auch in der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen immer wieder zu Konflikten kommen. Konflikte können auf unterschiedlichen Ebenen entstehen z. B.: im zwischenmenschlichen Bereich, im strukturellen Bereich (z. B. unklare Entscheidungskompetenzen, unzureichende Begleitung der Ehrenamtlichen) oder auf der inhaltlichen Ebene (z. B. unterschiedliche Meinungen zu praxisrelevanten Themen).
Treten Konflikte auf, sollten diese offen angesprochen werden. Es gibt viele Möglichkeiten, Konflikte zu lösen. Welche Art von Konfliktbewältigung zwischen den Beteiligten gewählt wird, bleibt jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall ist ein kooperativer Umgang zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen und die grundsätzliche Einstellung von beiden Seiten, dass ihre Anliegen gegenseitig ernst genommen werden, unabdingbar für die Konfliktbewältigung. Liegt ein schwerwiegender Konflikt zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen vor, der von den betroffenen Personen selbst nicht gelöst werden kann, kann die Ehrenamtskoordinatorin, ein Mediator oder auch ein Supervisor hinzugezogen werden.
Sollte keine Lösung herbeizuführen sein oder der Konflikt zu schwerwiegend ist, kann es zu einem Ausschluss des Ehrenamtlichen kommen. Dies kann erfolgen bei Eigentumsdelikten, massiver Schweigepflichtsverletzung, wiederholter Regelüberschreitung, der Einrichtung gegenüber schadhaften Verhaltens, persönliche Überforderung oder unüberbrückbaren persönlichen Auseinandersetzungen (z.B. zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen oder Ehrenamtlichen untereinander). Über einen Ausschluss aus der Ehrenamtsarbeit entscheidet das Pfarrerdienstgespräch in Kooperation mit der Ehrenamtskoordinatorin. Das Presbyterium wird darüber in Kenntnis gesetzt.

Es soll eine Broschüre erstellt werden, aus der hervorgeht, an welche Regeln sich Ehrenamtliche zu halten haben, welche Pflichten, Rechte und Möglichkeiten sie haben. Dies soll in einem „Leitfaden für Ehrenamtliche“ veröffentlicht werden.

Gegenleistung für Engagement – Wertschätzung und Anerkennung

Ehrenamtlich Engagierte haben eine andere Grundhaltung zur Tätigkeit als hauptamtlich Mitarbeitende. Sie verrichten ihre Arbeit freiwillig und erhalten dafür keine materielle Gegenleistung. Ehrenamtliche haben jedoch Anspruch auf die Erstattung von Kosten, die ihnen bei der Ausübung ihres Ehrenamtes (Material für die Gruppenarbeit, Fahrtkosten) entstehen.
Es besteht selbstverständlich die Möglichkeit, auf die Auszahlung dieser Kosten zu verzichten und stattdessen eine Spendenbescheinigung zu erhalten.

Ehrenamtliche erwarten darüber hinaus eine andere Art Gegenwert in Form von Anerkennung und Selbstverwirklichung. Sie üben die Tätigkeit in ihrer Freizeit aus und möchten weder Druck, Gängelung, Ausnutzung noch unfreundliche Ansprache erleben.

Da es keine finanzielle Vergütung gibt, müssen Hauptamtliche andere Wege finden, Ehrenamtliche zu binden.

Dies geschieht bereits durch
– Persönliche Formen des Lobes und der Wertschätzung
– Einladung zum Dankeschön-Fest an Epiphanias
– Finanzierung von Fortbildungen (Juleica-Kurse, Rettungsschwimmer, Fortbildungen in den einzelnen Arbeitsfeldern, Presbyterschulungen usw.)
– 1.Hilfe Kurse
– Begleitung von Teamtreffen durch Hauptamtliche

Zukünftige Maßnahmen
– Verstärkte Möglichkeit zur Teilnahme an Fortbildungen
– Ehrenamtler-Tag zu einem (Fortbildungs-)Thema
– Gemeinsame Aktion (Ausflug, Essen oder Feier) jedes einzelnen Teams im Jahr
– Tagesausflug (siehe Gemeindekonzeption Projekt 1)
– Kurzfreizeit (siehe Gemeindekonzeption Projekt 1)
– Beantragung einer Ehrenamtskarte

Ehrenamtliche sind während der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit über die Ecclesia sowohl haftpflicht- als auch unfallversichert.

Ehrenamt braucht klare Strukturen

Ehrenamtliche Arbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn es nachvollziehbare Strukturen dafür gibt. Hierzu gehören Vorgaben zum Arbeitsort, zur Arbeitszeit, zur Einführung und zur Begleitung durch bereits tätige Personen. Die Beschreibung von Zuständigkeiten sowie Rechte und Pflichten gehören ebenfalls zu den wichtigen Vorgaben.

Rechtliche Pflichten

Jeder ehrenamtlich Mitarbeitende in Gruppen oder Gremien muss eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben.
Alle Ehrenamtlichen, die in der Jugendarbeit tätig sind und mit jungen Menschen mindestens eine Nacht verreisen, benötigen ein erweitertes Polizeiliches Führungszeugnis.

Ehrenamtliche müssen sich mit dem für die Raumvergabe zuständigen Hauptamtlichen absprechen, wenn Räume außerhalb der regulären Zeit genutzt werden. Zudem sollen neue Angebote mit der Ehrenamtskoordinatorin abgesprochen werden, die unterstützend tätig sein kann.

Kosten der Ehrenamtskoordination

Damit Ehrenamt erfolgreich sein kann, muss ehrenamtliche Arbeit angeleitet und den jeweiligen Bedingungen
(durch Qualifizierung) angepasst werden.
Die Ehrenamtskoordinatorin soll regelmäßig an Fortbildungen zum Fachthema „Ehrenamtsarbeit“ teilnehmen. Die anfallenden Kosten werden erstattet.
Für Ausflüge, Fortbildungsangebote, Teamaktionen, Wertschätzungen und Werbemittel soll ein Haushaltsposten eingerichtet werden.

Aufgaben der Ehrenamtskoordinatorin
Zentrale Aufgabe der Ehrenamtskoordinatorin ist die Planung, Koordination, konzeptionelle Weiterentwicklung und Umsetzung der Ehrenamtsarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Wesseling. Die Entwicklung von Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Mitarbeit, die Anwerbung und Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen sowie die Qualitätssicherung sind weitere wichtige Aspekte der Ehrenamtskoordination
Darüber hinaus gehören zu ihren Aufgaben:
– Umsetzung der Leitlinien
– Erstellen der Broschüre: „Leitfaden für Ehrenamtliche“
– Angemessene Formen der Wertschätzung einsetzen, Anerkennung
– Begleitung, Beratung, Unterstützung und Feedback von Einzelnen und Teams in Theorie und Praxis
– Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Ehrenamt
– Anwerbung von neuen Ehrenamtlichen, Kontaktaufnahme mit Interessierten
– Gewinnung von Nicht-Mitgliedern für kurzzeitiges Engagement
– Konfliktberatung
– Sicherung von wertschätzendem Umgang zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen
– Evaluation der ehrenamtlichen Arbeit
– Ausstellung des Engagementnachweises NRW (Bescheinigung des Engagements)
– Planung und Durchführung der Angebote für Ehrenamtliche
– Übersicht der Gruppen und Angebote
– Pflege der Ehrenamtsliste über Mewis
– Vermittlung von Fortbildungen
– Willkommens- und Verabschiedungsgestaltung bei Ein- und Ausstieg ins Ehrenamt
– Erstellen von Aufgabenprofilen
– Einarbeitung oder Vermittlung an Andere zur Befähigung von neuen Ehrenamtlichen
– Neue Gruppen, Projekte und Angebote mit Hilfe von Ehrenamtlichen entwickeln
– Eigenverantwortlichkeit der Ehrenamtlichen stärken
– Verbesserung der Zufriedenheit und Bindung bereits engagierter Ehrenamtlicher
– Integration von neuen Ehrenamtlichen in die traditionellen Strukturen
– Das Bild der Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit durch Projekte und Angebote publik machen
– Erstellung einer Fragebogens
– Verwaltung der Schweigepflichtserklärung und der Nachweise des pol. Führungszeugnisses
– Beantragung der Ehrenamtskarte, wenn Kriterien erfüllt werden
– Rechtliche Erfordernisse, z.B. Belehrung Infektionshygiene

 

Arbeitskreis:
Manuela Dreher
Gerd Friebe
Holger Gardthausen
Corinna Mey, Ehrenamtskoordinatorin
Gerd Veit

Quellenangabe:
Die Leitlinien wurden unter Zuhilfenahme des Praxishandbuch Ehrenamt der Diakonie Michaelshofen. Hrsg. Stiftung einfach helfen, 2010 und in Absprache mit Herrn Stemmerich, dem Autor und Ehrenamtskoordinator der Diakonie Michaelshoven, erstellt. Auf detaillierte Quellenmarkierungen wurde aufgrund der besseren Lesbarkeit verzichtet.

Sonstige Literatur:
Ehrenamt – Leitlinien für die Evangelische Landeskirche in Württemberg, Hrsg. H.Fritz, H.-M. Härter, T. Hoffmann, Landeskirchlicher Arbeitskreis Ehrenamt
Praxishandbuch Freiwilligenmanagement, , Hrsg. Carola und Oliver Reifenhäuser, Beltz Juventa Verlag. 2013